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Flächeninanspruchnahme schrumpft substanziell

  
Am 3. Dezember 2025 wurden von der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) die aktuellen Zahlen des Flächenmonitorings präsentiert. Die Erhebung wurde vom Umweltbundesamt (UBA) durchgeführt und ist Datengrundlage der Bodenstrategie von Ländern und Gemeinden.

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Die Zahlen bestätigen den vom Informationsportal www.flaechenversiegelung.at errechneten Trendverlauf, der auf dieser Website bereits Anfang September 2025 publiziert wurde. Laut Flächenmonitoring wurden in der Periode 2022 – 2025 im Durchschnitt 6,5 Hektar pro Tag für bauliche Zwecke in Anspruch genommen. Das entspricht einem Rückgang um rund 40 Prozent gegenüber der Vorperiode 2019 – 2022 und mehr als einer Halbierung im Vergleich zu Mitte der 2010er-Jahre. Zudem hat sich dem Anschein nach die Flächeninanspruchnahme von der Bevölkerungsentwicklung entkoppelt. Zwischen 2022 und 2025 wuchs die Bevölkerung Österreichs um 218.284

Personen, das entspricht einem Anstieg um 2,4 Prozent. Die Flächeninanspruchnahme erhöhte sich indessen nur um 1,3 Prozent. Folglich entwickelt sich die Flächeninanspruchnahme pro Person bereits rückläufig. Insgesamt liegt die Flächeninanspruchnahme im Jahr 2025 bei 5.681,2 km² oder 6,8 % der Staatsfläche Österreichs bzw. 17,4 % des Dauersiedlungsraums. Etwas mehr als die Hälfte der beanspruchten Landesfläche – also rund 3,5 Prozent – gelten als versiegelt (überbaut, asphaltiert und betoniert).

Zur ÖROK-Website

 

„Die Bodenstrategie von Ländern und Gemeinden im Rahmen der ÖROK wirkt“, sagt Wolfgang Holzhaider, Vorsitzender der „Allianz Bodenstrategie mit Hausverstand“ und Landesinnungsmeister der Bauwirtschaft in Oberösterreich, erfreut. Die „Allianz Bodenstrategie mit Hausverstand“ zählt seit Beginn zu den Unterstützern der Bodenstrategie von Ländern und Gemeinden, wiewohl diese der Bauwirtschaft einiges abverlangt. In den beiden letzten Jahren reduzierte sich nämlich nicht nur die neu verbaute Fläche, auch die Neubauproduktion sank alleine im Hochbau real um 13,0 Prozent, in der Bauwirtschaft insgesamt um 14,2 Prozent. Dennoch ist man noch deutlich von der im Regierungsprogramm definierten Obergrenze von 2,5 Hektar pro Tag entfernt. Einer Zielmarke, die vom Rechnungshof in einem Prüfbericht von Ende April, als „weder fundiert begründet noch fundiert methodisch hergeleitet“ bezeichnet wird. Einer auf Gesamtösterreich bezogenen Obergrenze, die dem Bekenntnis der Bundesregierung zu einer ausgewogenen Bodenpolitik widerspricht, weil damit sämtliche Projekte – unabhängig vom Versiegelungsgrad und den volkswirtschaftlichen Folgewirkungen – über einen Kamm geschoren werden. Wobei Mag. Georg Schadt, Abteilungsleiter für Regionalpolitik und Raumordnung Leiter im BMLUK, darauf hinwies, dass sich der Wert von 2,5 Hektar pro Tag ursprünglich auf die versiegelte Fläche bezog und erst im Zuge des politischen Diskussionsprozess der letzten Jahrzehnte als Messgröße für die Flächeninanspruchnahme herangezogen wurde.

 

Forderungen an die Politik

Die „Allianz für Bodenstrategie mit Hausverstand“ fordert deshalb die politischen Entscheidungsträger auf, die im Regierungsprogramm festgeschriebene Flächenobergrenze zu evaluieren.

Dazu braucht es zum einen eine offene, breit angelegte Diskussion über den Zielkonflikt zwischen Bodenschutz auf der einen Seite und Arbeitsplatzsicherheit sowie ökonomische Notwendigkeiten auf der anderen.

Die Umsetzung einer willkürlich festgelegten Flächenobergrenze von 2,5 Hektar pro Tag hätte gravierende negative Auswirkungen, auch abseits der Bauwirtschaft. Sie führt zu gesellschaftspolitischen Verwerfungen, bremst die Konjunktur und erhöht die Arbeitslosigkeit. Da insbesondere bei Betriebsflächen eine Kürzung droht, könnten Industrieunternehmen ins Ausland abwandern, was letztendlich dazu führt, dass dem Sozialstaat wichtige Steuereinnahmen fehlen, die ein wesentlicher Steuerfaktor für Pensionen, Krankenversicherung und den Pflegebereich sind.

Zum anderen benötigen wir einen lokalen Verteilungsmechanismus, der das kommunale Entwicklungspotential ausschöpft.    

Es bedarf eines individuellen Verteilungsschlüssels, der die unterschiedlichen Gegebenheiten in Österreichs Gemeinden (z.B. Zu- bzw. Abwanderung, Betriebsstruktur, u.v.m.) berücksichtigt und mit dem auf lokaler Ebene Zielmarken erarbeitet werden können. Andernfalls stünde jeder Gemeinde jährlich weniger als ein Quadratmeter pro Einwohner zur Bebauung zur Verfügung. Speziell in kleinen Kommunen würde das die Verteilungsfrage zwischen Wohnbau, öffentlicher Infrastruktur und Betriebsansiedelung befeuern und mancherorts auch die wirtschaftliche Entwicklung ausbremsen.