Konsequenzen
Ökonomische Folgen einer Flächenobergrenze von 2,5 ha / Tag
Nach Auffassung der aktuellen Bundesregierung ist es zwingend notwendig, die im Frühjahr 2024 von Ländern und Gemeinden beschlossene Bodenschutzstrategie um eine Flächenobergrenze für die Neuinanspruchnahme zu erweitern. Als Zielwert werden im Regierungsprogramm 2,5 Hektar pro Tag oder 9 Quadratkilometer pro Jahr genannt. Bei Umsetzung dieser Zielmarke müsste die bislang benötigte Fläche (33,5 km² p. a.) also um 73 Prozent gekürzt werden.
Das könnte allerdings zu massiven ökonomischen und gesellschaftspolitischen Verwerfungen führen. Denn da bei einer wohl weiterhin wachsenden Bevölkerung der daraus resultierende zusätzliche Wohnungsbedarf vorrangig durch Neubau gedeckt werden muss, würde die Kürzung vor allem die übrigen Flächenkategorien treffen. Die nachfolgende Simulation soll das veranschaulichen:
Simulation
Notwendige Flächenkürzungen
| Beanspruchte Fläche in km² | Ist 21-24 | Ziel 2,5ha | Abw. % |
|---|---|---|---|
| Grundstücke Einfamilienhäuser | 5,2 | 0,5 | -90,4 |
| Grundstücke Mehrfamilienhäuser | 8,1 | 6,0 | -25,9 |
| Grundstücke Nicht-Wohnbau 1) | 8,2 | 1,5 | -81,7 |
| Freie Betriebsflächen 2) | 7,8 | 0,5 | -93,6 |
| Verkehrsflächen | 4,6 | 0,5 | -89,1 |
| Freizeitflächen | -0,4 | 0,0 | - |
| FIA Total | 33,5 | 9,0 | -73,1 |
1) inkl. Friedhöfen | 2) inkl. Abbauflächen, Halden und Deponien
Quelle: BEV | Simulation: KFP
| Mögliche Folgen |
|---|
| Max. 2.000 Eigenheime pro Jahr |
| Gleiche Gebäudeanzahl, aber 3-4 Stockwerke höher |
| Beschränkter Ausbau der öffentl. Infrastuktur |
| Verlagerung der Produktion ins Ausland |
| Nur noch Erschließungen im Ortsbereich |
| Deutlich weniger neue Parkanlagen und Sportplätze |
| Behinderung des Wirtschaftswachstums! |
Wie die Tabelle zeigt, würde die geforderte Flächenobergrenze alle Flächenkategorien beschränken, insbesondere aber den Neubau von Einfamilienhäusern, öffentlicher und gewerblicher Gebäuden, die Inanspruchnahme neuer Betriebsflächen und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. In den genannten Bereichen wäre eine Kürzung um 80 bis 90 Prozent erforderlich. Der für die wachsende Bevölkerung notwendige neue Wohnraum müsste primär in Mehrfamilienhäusern geschaffen werden, die dichter und höher gebaut werden müssten. Da es sich um eine Simulation handelt, könnte man die Flächen natürlich auch anders verteilen. Unter der Prämisse, dass der Wohnungsbedarf jährlich um zumindest 30.000 neue Wohneinheiten steigt, ist der Verteilungsspielraum aber gering. Denn in jedem Fall dürfte die Flächenneuinanspruchnahme 9 km² pro Jahr nicht überschreiten.
Folge 1:
Gebremstes Wirtschaftswachstum
Sie könnte vor allem das Wirtschaftswachstum bremsen, insbesondere in der Industrie. Wenn Flächen zum Ausbau der Produktion fehlen, ist mittelfristig eine Re-Dimensionierung der industriellen Produktion nicht auszuschließen, weil Teile der Fertigung ins Ausland abwandern – mit den entsprechenden Folgewirkungen auf viele andere Wirtschaftssektoren, nicht alleine für die Bauwirtschaft. Alles in allem müsste man mit weniger Steuereinnahmen rechnen, wodurch die Dotierung des Sozialetats gehörig unter Druck kommen könnte.
Folge 2:
Behinderung des Ausbaus der öffentlichen Infrastruktur
Der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur könnte vermutlich nur noch selektiv erfolgen. Selbst wenn man den Neubau von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen und Mehrzweckhallen priorisiert, ist es schwer vorstellbar, alle notwendigen Projekte umsetzen zu können. Zumal in diesem Fall der Gewerbebau vermutlich nahezu zum Erliegen kommen würde.
Folge 3:
Frontalangriff auf das Einfamilienhaus
In den letzten 25 Jahren wurden jährlich über 15.800 Eigenheime gebaut. Bei Umsetzung der Flächenobergrenze müssten die Flächen für Einfamilienhäuser jedoch um rund 90 % reduziert werden, wodurch jährlich nicht einmal 2.000 neue Eigenheime entstehen könnten. Das hätte erhebliche gesellschaftspolitische Folgen: Auf der einen Seite stünden jene mit Eigenheim oder Erbanspruch, auf der anderen jene, denen der Hausbau massiv erschwert oder unmöglich gemacht wird. Rund zwei Drittel der Österreicher wünschen sich ein eigenes Haus, aktuell lebt knapp die Hälfte in einem. Wird jungen Familien der Weg zum Eigenheim durch politische Vorgaben versperrt, müssen sie ein zentrales Lebensziel aufgeben – oft auch Symbol für persönlichen Erfolg. Das gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Folge 4:
Steigende Bodenpreise
Eine Beschränkung der Bauflächen würde die Bodenpreise zweifelsfrei weiter befeuern. Laut Statistik Austria erhöhten sich die Grundstückspreise seit 2015 im Durchschnitt um gut sieben Prozent pro Jahr. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Preisauftrieb bei Einführung der anvisierten Flächenobergrenze abflacht. Eher schon, dass er sich weiter beschleunigt. Damit rückt nicht alleine das politische Ziel nach „leistbarem Wohnraum“ in weite Ferne.
Folge 5:
Verlust von Arbeitsplätzen
Infolge der zu erwartenden Re-Dimensionierung der Industrieproduktion und einer sinkenden Neubautätigkeit ist mit einem substanziellen Verlust von Arbeitsplätzen zu rechnen. Berechnungen gehen davon aus, dass langfristig zumindest 250.000 Jobs gefährdet wären. Davon entfallen etwa 105.000 auf die Industrie, 72.000 auf die Bauwirtschaft und 73.000 auf andere indirekt betroffene Wirtschaftssektoren.